Wirtschaftsverkehr in Ballungsräumen

Unbenannt

Hermes - Einsatz von Lastenfahrrädern

Schlüsselworte

Lastenfahrräder, Endkundenbelieferung, KEP-Dienst, Nullemission, Alternative Antriebstechnik

Raumbezug

Berlin, Bielefeld, Erfurt, Essen, Gera, Hamburg, München, Stuttgart, Wilhelmshaven

Strukturelle Merkmale

Die heutige Hermes Versand Service GmbH & Co wurde 1972 von dem inzwischen weltweit größten Versandhandelsunternehmen Otto als Paketdienst für die Endkundenbelieferung gegründet. Sie wickelt mit Hilfe von 65 Depots und 570 Stützpunkten bzw. Satellitendepots für den Otto Versand als größten Kunden täglich rund 630.000 Zustellungen an 530.000 Haushalte und 112.000 Retouren von 90.000 Haushalten ab. Dafür sind täglich rund 8.000 Zusteller bzw. Boten zumeist mit dem Lkw bzw. Pkw unterwegs.

Beteiligte Akteure

Hermes (Fuhrpark), Hermes (Depot bzw. Botenstützpunkte) Fahrradwerkstatt Reutlingen, Boten und Zusteller

Ausgangssituation

Vor dem Einsatz der Lastenfahrräder nutzten die Boten und Zusteller die herkömmlichen motorisierten Lieferfahrzeuge.

Zielsystem

Ziel der Entwicklung von Lastenfahrrädern war neben Umweltaspekten zum einen die Suche nach einer alternativen Abwicklung in Fußgängerzonen (Zufahrtsbeschränkungen, Vermeidung von Staus und Umwegen, Verringerung des Parkplatzsuchaufwands).

Maßnahmen

In der Endkundenbelieferung werden Lastenfahrräder eingesetzt. Dabei handelt es sich um Dreiräder mit einem etwa einen Kubikmeter großen Kastenaufbau zwischen den beiden Vorderrädern. Der Kasten ist von vorne und oben zugänglich. Das Rad verfügt über eine stabile Rahmenkonstruktion, einen verschließbaren Transportkasten, Trommelbremsen, Halogen-Beleuchtung und eine 5-Gang-Schaltung für ein leichtes Anfahren.

Umsetzung

Die Initiative für den Einsatz von Fahrrädern in der Endkundenbelieferung kam von Hermes aus der Abteilung "Projekte und Organisation".

Zunächst wurde an den Botenstützpunkten eine Umfrage durchgeführt, um den Bedarf bzw. die Einsatzbereitschaft zu ermitteln.

Auf der Grundlage eines positiven Feedbacks wurde der Bau eines Prototyps angestoßen. Anfänglich wurden drei unterschiedliche Modelle gemeinsam mit verschiedenen Werkstätten entwickelt. Das speziell für Hermes entwickelte Lastenfahrrad wird nun in der Fahrradwerkstatt Reutlingen der Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus gefertigt, in der Langzeitarbeitslose und Sozialhilfebedürftige tätig sind.

Im Jahr 2000 wurde bei Hermes der Versuch an bundesweit 10 Depotstandorten gestartet, die bestellten Waren per Lastenfahrrad ("Hermes Paket-Rad") dem Endkunden zuzustellen. Durchschnittlich waren die Fahrräder mit mehr als 150 Kilogramm beladen. Es stellte sich jedoch im Praxistext heraus, dass es in den meisten Städten nahezu unmöglich ist, mit diesem Gewicht die Bordsteine zu bewältigen. Außerdem erwies sich die Kraftanstrengung für die Boten als zu groß und es wurde im weiteren Betrieb der Lastenräder ein Verkehrssicherheits- und Gesundheitsrisiko gesehen.

Der als Pilotprojekt "Hermes Paket-Rad" begonnene Versuch wurde abgeschlossen und bei Hermes nicht weiter verfolgt.

Nach Abschluss des Projektstatus bei Hermes wurde die Einführung von Lastenfahrrädern bei HBS angestoßen, da dort nur Sendungen bis zu einem Gewicht von je 10 kg zugestellt werden und daher davon ausgegangen wurde, dass hier bessere Einsatzmöglichkeiten bestehen. Ab August 2001 wurde beim HBS die Zustellung von Brief- und Warensendungen in Wohngebieten und Fußgängerzonen mit Lastenfahrrädern erprobt ("Hermes-Botenfahrrad"). Dafür wurde in jedem der 14 Gebiete ein Fahrrad bereitgestellt. Die Boten konnten sich diese ausleihen und testen. Parallel dazu wurde das Fahrrad gemeinsam mit der Fahrradwerkstatt weiterentwickelt.

Der einjährige Praxistest mit dem Hermes-Botenfahrrad in Berlin wurde erfolgreich abgeschlossen. Die bundesweit rund 500 Hermes-Botenstützpunkte mit insgesamt 10.000 Boten können nun aus einem unternehmensinternen Bestellkatalog Lastenfahrräder beziehen. Neben Berlin werden auch in Bielefeld, Erfurt, Essen, Gera, Hamburg, München, Stuttgart und Wilhelmshaven Lastenfahrräder eingesetzt.

Die bisherige Nachfrage seitens der Botenstützpunkte entspricht nicht derjenigen, die in der dem Projekt vorangestellten Umfrage ermittelt wurde. Es ist daher davon auszugehen, dass eine große Verbreitung der Fahrräder nicht stattfinden wird, da sich die Anschaffung (Stückpreis ca. 1.800 Euro) nicht lohnt. Die Nutzungsbedingungen, wie z. B. die notwendige Zustelldichte und ein ebenerdiges Gelände, sind derart "exotisch", dass sie sich nur schwer vorstrukturieren und vorsteuern lassen, um einen breiteren Einsatz zu ermöglichen. Möglicherweise wissen aber auch Menschen ohne Führerschein nicht, dass sie sich in der Kurierbranche selbständig machen könnten.

Die Maßnahme wurde nicht in das Umweltprogramm von Otto aufgenommen.

Ist-Zustand

Im Jahr 2000 hatte Hermes 14 Fahrräder (je Zustellregion eins) im Pilotbetrieb. Durch den anschließend bei HBS fortgesetzten Testbetrieb konnten vereinzelt Lastenräder an Boten veräußert werden, so dass heute einige Fahrräder in bis zu neun Städten im Einsatz sind. Der Versuch ist offiziell abgeschlossen.

Wirkungsabschätzung

Da die Maßnahme bei Hermes nicht in den Regelbetrieb überführt worden ist, konnten die gewünschten Verlagerungseffekte nicht erreicht werden.

"Bei einem einjährigen Praxistest in Berlin konnte die Effizienz der Zustellungen in Wohngebieten dank des Botenfahrrads deutlich gesteigert werden". Weitergehende direkte Maßnahmenwirkungsanalysen wurden nicht durchgeführt und die Entwicklung auch nicht mehr beobachtet.

Die Maßnahme hat zudem einen positiven Nebeneffekt. Die Möglichkeit, nun auch Zustelltouren mit dem Fahrrad abzuwickeln, eröffnet größere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, da nun auch Boten ohne Führerschein berücksichtigt werden können.

Informationsquellen

Experteninterview mit dem Fachreferenten Peer Seipold (Otto), 30.10.2002 & 08.01.2003.
Experteninterview mit dem Umweltbeauftragten Carlheinz Lindenau sowie Manuela Buerschaper und John Mager (Hermes), 12.12.2002.
http://www.otto.com.
http://hermes-vs.de.
http://www.die-fahrradwerkstatt.de.
Hermes-Boten Service: Hermes-Boten treten in die Pedale. Presseinformation, Hamburg 20.08.01. Nach: http://www.hermes-bs.de/C1256B42003FCD64/ Content ByKey/KGRE-58WBE5-DE-p?open&WDT=News&DL=HermesStandard &FL=SF_HermesStandard&RID=C1256B52003EFF04&Art=undefined&target=true, 01.10.02.

Ansprechpartner

Hermes Versand Service GmbH & Co. KG
Essener Straße 89
22419 Hamburg
Umweltbeauftragter
Herr Carlheinz Lindenau
Tel.: 040 / 53755-0
Fax: 040 / 53755-800
E-Mail: carlheinz.lindenau@hermes-vs.de

Otto GmbH & Co.
Umwelt- und Gesellschaftspolitik
Wandsbeker Straße 3-7
22179 Hamburg
Fachreferent Transport und Verkehr
Herr Peer Seipold
Tel.: 040 / 6422-3628/29
Fax: 040 / 6461-6666
E-Mail: peer.seipold@otto.de

Die Fahrradwerkstatt Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus
Tübinger Straße 89
72762 Reutlingen
Herr Urban und Herr Stach
Tel.: 07121 / 930722-0
Fax: 07121 / 930722-18
E-Mail: info@die-fahrradwerkstatt.de

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